Bepflanzung von Langeoogs Dünenfriedhof

Borussia Tübingen und MarcomanniaBorussia Tübingen und Marcomannia Breslau
Kneipe der Forstpflanzer auf dem Dünenfriedhof

Den Besuchern der „langen Insel“ dürfte der 1944 angelegte Dünenfriedhof vor allem durch Lale Andersen bekannt sein. Dabei liegen dort auch umgesiedelte und geflohene Deutsch-Balten, Wehrmachtssoldaten und russische Kriegsgefangene, die zwischen 1941 und 1945 in Langeoogs Arbeitslager an Fleckfieber zugrunde gegangen sind. Dass die 1,5 ha große Anlage von einem deutsch-baltischen Arzt und seinen Corpsbrüdern aufgeforstet worden ist, weiß kaum jemand. Vor 59 Jahren, im März 1960, bepflanzte Baron v. Schilling die Seiten der Eingangsstraße. Danach wurden Windschutzwälle am Balten- und Hauptfriedhof angelegt. Heute sind sie zum Teil von Wildrosen überwachsen. 1972 wurde der 300 m² große Russenfriedhof durch einen 30 m langen und 6 m hohen Wall zwischen bewachsenen Dünen in das Areal des Hauptfriedhofs einbezogen. Nach der Bodenverbesserung durch Hafenschlick und Feuchttorf konnte das gesamte Umfeld des Russenfriedhofs bepflanzt werden. Die damals gesetzten Edeltannen bestimmen heute das Landschaftsbild.

Das Wäldchen entstand durch alljährliches Zutun von mehr als 200 Corpsbrüdern v. Schillings. In der 1. Corpspflanzaktion 1981 bepflanzten Breslauer Marcomannen die Düne hinter der Friedhofskapelle. ECB Edgar Fölsche pflanzte 1994 den „kleinen Edgar“, eine pazifische Edel-Tanne. 1992 und 1993 hoben Tübser Preußen in der Aktion „Laubbaumpflanzung 95“ jeweils mehr als 100 Pflanzgruben aus. Freiwillige Helfer der Gemeinde verfüllten sie mit einer Mischung aus Spülfelderde (Hafenschlick), Feinschredder und Düngetorf. Gepflanzt wurde Ahorn. In der 14. Pflanzaktion (Corpsforstpflanzertreffen) hoben Preußen am bewaldeten Hang hinter der Kapelle sieben 1,5 m³ große Gruben aus. Ein Radlader füllte sie mit Mischerde. Am 10. März 1995 setzten verdiente Insulaner 70 cm hohe Edeltannen ein. Zu diesen „Altforstpflanzern“ zählten Pastor Klaus v. Mering, Pastor Torsten Both, Altbetriebsinspektor Gerhold Leiß (1921–2003) und Herr Manz von der Lokalzeitung Utkieker. Zum Ausklang in der Forstpflanzerhütte gab’s kurländischen Speckkuchen, Fleischbrühe und Räucheraal mit klarem Ostfriesen. Mit von der Partie waren der Bürgermeister Schreiber und seine Frau, Dr. Heli Leiß (1917–2009), die 15mal Bürgermeister gewesen war, ihr Mann Gerhold Leiß, die baltische Gräfin v. Einsiedel geb. Thiele und Baron Schilling. Noch im letzten Jahrtausend wurden im Pflanzgarten vor dem Ehrenmal 200 Birken und 600 Schwarzkiefern gepflanzt. Seit langem erinnern Schilder an die Kösener Pflanzer, am „Marcomannenhang“ und im „Preußental“. Aufgestellt wurden sie von der Arbeitsgruppe „Hebewerk“ unter ihrem Leiter Recker. Mit Zustimmung des Betriebsinspektors Manfred Lau bauten Recker und seine Männer 1989 auch die Forstpflanzerhütte, eine 6,5 m lange und 2,3 m hohe Nissenhütte. Wie die zweite daneben ist sie längst überwachsen. Noch eine Zeitlang Baron-von-Schilling-Museum, ist sie in die Nutzung der Friedhofsverwaltung übergegangen.

  • Jürgen v. Schilling: Der Dünenfriedhof Langeoog und die Forstpflanzertreffen, in: Siegfried Schunke: Dr. Jürgen Baron von Schilling, Gedenkschrift von Marcomannia Breslau und Borussia Tübingen. O. O., o. J., S. 71–74.

Ein dichter Waldstreifen, der an die umgebenden Dünenhänge gepflanzt wurde, umgibt den Langeooger Dünenfriedhof. So, als wollten die Bäume diesen Platz für alle Zeit beschützen – vor dem Vergessen der Menschen. Vor dem Wind, der über das Meer kommt und alles über das Meer hinfortträgt. Ja, sogar vor den Wellen der Nordsee, die kaum 300 Meter weit zuweilen wüten. Vor all diesen Gefahren scheinen die von Corpsstudenten gepflanzten, dicht an dicht stehenden Bäume den einheimischen Friesen und den baltischen Flüchtlingen, die durch die Stürme des 20. Jahrhunderts hierher geweht wuden, einen sicheren Schutz zu bieten. Dies ist ein Platz ganz außerhalb der Zeit. Ein Platz wie das unverlierbare Corpsstudententum in uns.
– Sigler Masoviae

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