Sicht eines Außenstehenden

Als erster Angehöriger des paritätischen Burschenbunds-Convents ist Dr. Gerd Mohnfeld, fr. Frauenarzt in Gelsenkirchen, im Frühjahr 2021 Mitglied des Vereins für corpsstudentische Geschichtsforschung geworden. Er schickte einen Kommentar zur virtuellen Jahresversammlung am 20. Mai 2021:

„Als eines der neuesten und jüngsten Mitglieder des VcfG war ich von der virtuellen Jahresversammlung sehr angetan. Glückwusch und vielen Dank für diese gelungene Veranstaltung. Die Aufarbeitung und Wahrung der Studentenhistorie ist ja nicht nur eine wissenschaftliche Aufgabe. Die hervorragende Arbeit des Vereins, besonders seiner Vorsitzenden, dient ja nicht nur der Konservierung alter Korporationsgeschichte und studentischer Kultur. Diese erfolgreiche Arbeit hebt auch das Korporationswesen aus der verbreiteten, undifferenzierten Verurteilung seit der Nachkriegszeit. Jeder ungebildete oder politisch einseitig festgefahrener Mitbürger fühlt sich legitimiert, das Korporationswesen unbesehen zu verurteilen: Saufende, nationalistische raufende Burschen, die sich auf ihren Trutzburgen vor der Realität verschanzen. Dieser Zustand bestand auch schon vor `68, gewissermaßen nahe einem Kriegsschuldeingeständnis, und wurde durch die `68er nur noch beschleunigt, wie auch die Auflösung der bürgerlichen Gesellschaftsordnung. Diese unbedarfte Massenbewegung mit nur wenigen links-intellektuellen Köpfen erlaubt sich unkritisch und voreingenommen, die Lebensrealität und Historie der akademischen Jugend 1871 bis 1945 pauschal zu verurteilen. Welche Anmaßung einer pluralistischen, weitgehend wertfreien Gesellschaft, ganze Generationen nicht nur zu be-, sondern auch zu verurteilen.

Diese honorige Runde vom 20.5. in der virtuellen Versammlung unternimmt gegen alle Widerstände die Aufgabe, den gesellschaftlichen Wert des Korporationslebens durch die historische Aufarbeitung zur Wahrheitsfindung zu erhalten und bewusst zu machen. Generationen der akademischen Jugend haben, wie man heute sagen würde, ihre „Sozialisation“ in ihren Bünden erweitert, Charakterbildung im Sinne der Humanitas, Erziehung zur gesellschaftlichen Verantwortung, Disziplin, Mutprobe, Allgemeinbildung, gesellschaftlicher Schliff, Diskussionskultur, akademische Förderung und der unschätzbare Erfahrungswert der Freundschaft und Treue und des Lebensbundprinzips. Bei aller überschäumender Kraft, die nun mal zum jungen Mann gehört, waren das der Weg und die Regeln für ein ganzes Leben. Was soll daran falsch sein? Die Korporationen und ihre historische Aufarbeitung sollten sich von der Zwangsjacke sozio-psychologischer Verurteilung befreien und den Wert ihrer Erziehung zur Gemeinschaft frei und offen herausstellen. Die Aktivenzeit bleibt ein wertvoller Lebensabschnitt. Was hat die heutige akademische Jugend vorzuweisen? Die von den Korporationen geforderten und gepflegten Charaktereigenschaften und Verhaltensregeln bleiben eine unersetzliche Richtlinie für jedwede Gesellschaft, sei es in China oder bei den Yanomami am oberen Orinoco. Mit dieser Erziehung zu den o.a. aufgeführten Werten wird der Alltag und seine Funktionen erleichtert, und wer sich Mühe gibt, kann damit erfolgreich sein.

Das sind einige Überlegungen anlässlich der Jahrestagung. Als letzter Vorsitzender des AHV Alsatia Thuringia im BC und letzter BC-Präsident ergreift mich nicht nur die alte Wehmut, dass wir nach `68 nicht die Kraft hatten, unsere politischen Störenfriede in den eigenen Reihen loszuwerden und 1973 suspendieren und unser schönes Haus auf dem Schlossberg in Marburg aufgeben mussten. Wir sollten laut und deutlich den gesellschaftlichen Wert des Korporationslebens in dieser unsortierten Gesellschaft gegen alle Pauschalurteile betonen und der historischen Wahrheit und dem Anspruch auf angemessene Anerkennung du Teilhabe am Universitätsleben auf die Sprünge helfen.“

– Gerd Mohnfeld, Vorsitzender AHV Alsatia Thuringia im BC, Präsident des BC

Fürst Wrede und der Tartarus

Tartarus

Der Tartarus. An der Säule lehnt Fürst Wrede.

Blasiert oder gar vornehm war er nicht, eher handfest und robust. Als Jurastudent in Graz wegen ungebührlichen Benehmens relegiert, diente Raoul Joseph Fürst Wrede (1843–1914) der Habsburgermonarchie, erst bei der Armee, dann in der Diplomatie. Er war aktiv im Grazer Corps Tartarus, dem kurzlebigen Vorreiter des Waffenstudententums in Österreich (1861–1864). Der Nestor der Grazer Studentengeschichte hat das fürstliche Leben dokumentiert.

Harald Seewann: Student – Offizier – k.u.k. Diplomat. Vom Corpsstudenten zum Diplomaten. Stationen im außergewöhnlichen Lebensweg des Fürsten Raoul Wrede. Eine Dokumentation. Graz 2021. Format DIN A4, 200 Seiten, 20 Abbildungen. Zu bestellen bei Prof. H. Seewann, Resselgasse 26, A-8020 Graz (22 € plus Porto).
c.h.seewann@aon.at

Preußische Hilfe

Ein Einzelner kann Deutschlands größter Wissenschaftsbibliothek nicht helfen, höchstens mit viel Geld. Stimmt nicht. Neumann II Borussiae Tübingen überlässt der Preußischen Staatsbibliothek seit Beginn seiner Mitgliedschaft im VfcG vor mehr als 30 Jahren alle Ausgaben von Einst und Jetzt. Bei ihren beschränkten Ankaufsmitteln nimmt sie die Jahrbücher nur zu gern in ihren Bestand.

Wenn Ihre Bibliothek zu groß oder die Wohnung zu klein wird, brauchen Sie die Jahrbücher nicht in den Papiermüll zu geben. Spenden Sie sie einer öffentlichen Bibliothek oder einem Korporationsarchiv!

ViKo

Mit 35 Zuschaltungen war die Videokonferenz am 20. Mai besser und bunter besucht als die vorpandemischen Mitgliederversammlungen. Vertreten waren der Vorstand und die Historische Kommission des WVAC, der Österreichische Cartellverband, VAC-Vorstände, die Deutsche Gesellschaft für Hochschulkunde und zum ersten Mal der paritätische Burschenbunds-Convent. Die Vorstandsmitglieder sind einzeln und einstimmig für drei Jahre wiedergewählt worden.

Anmeldung zur virtuellen Mitgliederversammlung 2021

Liebe Mitglieder,
aufgrund des aktuellen Pandemiegeschehens wird die diesjährige Mitgliederversammlung am Donnerstag, dem 20. Mai 2021 um 19.00 Uhr digital stattfinden, vorbereitet und technisch geleitet vom Schatzmeister. Wir laden Sie herzlich dazu ein, sich über dieses Formular bis zum 15. Mai 2021 zu registrieren. Die Einwahldaten werden Sie rechtzeitig vor der Versammlung erhalten. Für die Teilnahme brauchen Sie einen Rechner oder ein Notebook mit stabiler Internetverbindung, die zumindest die Audioübertragung per Mikrofon ermöglicht. Bei technischen Fragen hilft Ihnen der Schatzmeister des Vereins gern. Ihre Anfragen werden am Wochenende nach Eingang beantwortet.

Mitgliederversammlung 2021

EINLADUNG

Die Jahreshauptversammlung des Vereins für corpsstudentische Geschichtsforschung e.V. muss leider virtuell stattfinden am

Donnerstag, dem 20. Mai 2021 um 19.00 Uhr

Für die Mitgliederversammlung sind folgende Tagesordnungspunkte vorgesehen:

  1. Gedenken an die Verstorbenen
  2. Genehmigung des Protokolls der MV 2019
  3. Bericht des 1. Vorsitzenden (Werbung, Internet-Aktivitäten)
  4. Bericht des Schriftleiters: Jahrbuch Einst und Jetzt 2021
  5. Bericht des Schatzmeisters: Mitgliederstand, Haushalt
  6. Bericht der Kassenprüfer
  7. Entlastung des Vorstands
  8. Neuwahl des 1./2. Vorsitzenden, des Schriftleiters und des Schatzmeisters
  9. Wahl des Kassenprüfers für 2020 und 2021
  10. Sonstiges: DGfH, Historische Kommissionen (KSCV, WVAC), Arbeitsgemeinschaft der Studentenhistoriker
  11. Handrack Curonus Goettingensis: Die Wiedergeburt des Corpsstudententums in Lettland und Estland

Alle Freundinnen und Freunde der Studentengeschichte sind herzlich willkommen. Anmeldedaten erhalten Sie durch den Schatzmeister Dr. H. Malkhasy: schatzmeister@vfcg.eu

Prof. Dr. Döhler Masoviae
1. Vorsitzender
Prof. Dr. Hümmer Onoldiae
2. Vorsitzender
Dr. Malkhasy Cisariae
Schatzmeister