Alte Landsmannschaften und Corps

Von den vergessenen Bündern des 19. Jahrhunderts waren einige nach Herkunft und Wirken ihrer Mitglieder nicht unbedeutend.(1)

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    Teutonia

    Die Verbindung Teutonia wurde am 9. März 1844 an der Rheinischen Friedrich-Wilhelms-Universität gegründet. Sie erklärte sich am 12. Juli 1848 zur Burschenschaft. Am 7. Mai 1854 führte sie die unbedingte Satisfaktion ein. Sie erklärte sich am 9. Dezember 1867 zur Landsmannschaft und gehörte am 1. März 1868 zu den Begründern des Coburger Landsmannschafter-Convents, den sie am 9. März 1875 verließ. Am 23. April 1875 erfolgte die Erklärung zum Corps. Ein Teil der Alten Herren lehnte diese Umwandlung ab und bildete einen eigenen Altherrenverein. Teutonia renoncierte seit dem 6. Mai 1875 im SC zu Bonn und wurde am 29. Januar 1876 recipiert. Das Corps war 1876–1880, 1885–1888 und 1893–1898 suspendiert. Bei der Rekonstituierung am 28. April 1898 wurden die Aktiven der fortgesetzten Landsmannschaft nach deren Suspendierung übernommen.(7) 1902 stellte Teutonia den Vorsitzenden des oKC. Wegen der Alliierten Rheinlandbesetzung war der aktive Betrieb 1918/19 eingestellt. In der NS-Zeit suspendierte Teutonia am 23. Oktober 1935. Mit Rhenania und Saxonia betreute Teutonia ab 1938 die Kameradschaft Yorck von Wartenburg. Der Altherrenverein wurde im Juli 1949 reaktiviert. Durch einen Freundschaftsvertrag übernahm Rheno-Guestphalia am 22. Dezember 1956 die Tradition und einige Alte Herren der Teutonia. Ein Traditionszimmer mit altem Mobiliar aus dem Bonner Corpshaus ist im Rheinwestfalenhaus eingerichtet. Seit dem 20. Mai 2001 ist Teutonia Bonn erloschen. Bonner Teutonen sind Franz Adams d. J., Gustav Eschborn, Johann und Otto Froitzheim, Karl Gerhardt, Hermann Georg Jacobi, Rudolf Klostermann, Werner Körte, Berthold Litzmann, Heinrich Oidtmann II, Hermann und Walter Pauly, Heinrich Wilhelm Siedentopf, Karl Veltman, Walter Wiederhold, Emil Ziegenmeyer, der DDR-Minister Wilhelm Feldmann und die Abgeordneten Ludwig v. Cuny, Peter Kloeppel und Louis Walther. Teutonias Farben waren dunkelgrün-feuerrot-gold mit goldener Perkussion. Getragen wurde ein dunkelgrüner Stürmer. Der Wahlspruch war Neminem time, neminem laede!

    • AHV der Landsmannschaft Teutonia (Hg.): Teutonia Bonn 1844–1994, 1994.

    Czernowitznach oben


    Austria (1875), Gothia (1876) und Alemannia (1877) waren Mitglieder im Melker Congress, der sich 1887 auflöste. Die drei Corps standen im Pauk- und Anstandsverhältnis mit Cascognia in Lemberg. Mit dem Schwarz-Gelb des Kaiserhauses und ihrem Namen konnte Austria nach dem Ersten Weltkrieg nicht rekonstituieren. Die wieder aufgemachten Bünder fochten mehr als vor dem Krieg. 1919 und 1920 wurden die Corps an den Hochschulen in Deutschösterreich, Böhmen und Mähren (Graz, Leoben, Wien, Prag, Brünn) in den Kösener SC-Verband aufgenommen. Die Czernowitzer Corps Alemannia und Gothia waren auf sich allein gestellt und hatten keine festgefügte Organisation wie der Melker Deputiertenconvent und der HKSCV. Gothia hatte seit 1924 kaum noch Nachwuchs und suspendierte 1926. Beim schweren Stand des Deutschtums hatte Alemannia 1923/24 ein „äußerst fruchtbares“ Pauk- und Verkehrsverhältnis mit den Burschenschaften Arminia und Teutonia geschlossen und mit Gothia die Aufnahme in den KSCV beantragt. Der oKC 1926 lehnte den Antrag ab. Alemannia hatte auch nach dem Zweiten Weltkrieg viele gemeinsame Corpsbrüder mit Alemannia Wien und Frankonia Brünn, darunter Jonél Kalinczuk und Thaddäus v. Dobrowolski.

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    Bado-Württembergia

    Neben einer zur selben Zeit genannten Helvetia war das Corps Bado-Württembergia in Göttingen die einzige Verbindung von Süddeutschen. Keines der bislang bekannten 27 Mitglieder war nördlich des Mains beheimatet. Im Internet finden sich Lebensbilder von Ferdinand Christoph von Degenfeld-Schonburg, Eli von Haber, Rudolf v. Hennin, Karl Eugen v. Hügel, Franz und Ludwig v. Jagemann, Adolf und August Marschall v. Bieberstein und Gustav Struve.

    • Horst Bernhardi: Corps Bado-Württembergia zu Göttingen 1824 bis 1829. Einst und Jetzt, Bd. 1 (1956), S. 28–35.
    Hercynia

    Die schwarze Verbindung Hercynia wurde am 8. Juni 1872 gegründet. Sie erklärte sich am 10. Januar 1874 als Landsmannschaft mit den Farben schwarz-grün-gold, schwarzer Mütze und im Sommersemester grünem Stürmer. Am 3. März 1874 im Coburger Landsmannschafter-Convent admittiert und am 17. Januar 1875 endgültig aufgenommen, verließ sie im August 1876 den LC. Hercynia erklärte sich noch im selben Monat zum Corps mit Änderung der Mützenfarbe in grün und Ablegung des Stürmers. Sie renoncierte seit dem 23. Oktober 1876 im Göttinger Senioren-Convent und wurde am 11. Dezember 1876 recipiert. Das Corps gehörte zum volatilen gelben Kreis. Am 9. Dezember 1922 nahm Hercynia die Alten Herren des kurzlebigen Corps Verdensia auf. Hercynia suspendierte am 24. Oktober 1935. Mit Teutonia stiftete sie am 4. November 1950 Teutonia-Hercynia im Magdeburger Kreis. – Hercynianer waren Hans Adler, Werner von Bargen, Wilhelm Bartsch, Wilhelm Bartsch, Ludwig von Buttlar, Wilhelm Denicke, Georg Diederichs, Rudolf Diederichs, Eduard Dietrich EM, Karl Domizlaff, Max Fesca, Hermann Kellermann EM, Eduard Knüppel, Theodor Kölliker, Werner Kyrieleis, Wilhelm Mielck, Carl Jasper Oelrichs, Carl Pietscher, Otto Richter, Ernst Roedelius, Otto Snell, Kurt Traenckner und Oskar Zeller.

    Teutonia

    Die Progressverbindung Teutonia wurde am 25. November 1848 von dem Revolutionär Wilhelm Pieper und anderen ausgetretenen Hannoveranern gestiftet.(13) Sie erklärte sich am 15. Juni 1854 zum Corps und wurde am 4. Juli 1854 in den Göttinger SC recipiert. Mit den anderen Göttinger Corps beteiligte sie sich im Mai 1855 an der Gründung des KSCV. Nach wiederholten Suspendierungen wurde sie am 8. August 1881 auf Dauer verboten, als Hermann Kreth Bremensias Senior im Pistolenduell tödlich verwundet hatte. Die als Ersatz am 22. Mai 1882 gestiftete Borussia suspendierte nach drei Jahren. Teutonias noch bestehender Altherrenverein nahm am 11. Juli 1886 die Mitglieder der Borussia auf. Anfang November 1914 wurde die Universität durch Kabinettsordre angewiesen, das Verbot der Teutonia aufzuheben. 1920 für drei Monate und am 6. Oktober 1935 endgültig suspendiert, stiftete Teutonia mit Hercynia am 4. November 1950 die Teutonia-Hercynia. – Teutonen waren Julius Bergmann, Friedrich Boedecker, Oscar Döring, Emil Ehrich, Leopold Heldmann, Günther Jansen, Hermann Kreth, Hermann Langenbeck, Philipp Meyer, Hermann Meyer-Burgdorff, Hugo Pernice, Hugo Pfafferott, Gustav Roch, Berent Schwineköper, Alexander Sostmann (Stifter), Oskar Stavenhagen, Rudolf Tesmann, Carl Wehmer, Herbert Weyher, Julius Winter und Gerrit Winter.

    Vandalia
    Borussia Tübingen und Marcomannia

    Vandalenkorb (1813)

    Pfeifenkopf eines Vandalen

    Vandalia Göttingen (1806–1837) war das Corps der Mecklenburger an der Georg-August-Universität. Die Farben waren zunächst rot-gold ohne Perkussion, dann schmalgold-breitrot-schmalgold mit roter Perkussion. Gollasch Hannoverae erforscht den beträchtlichen Mitgliederbestand dieser Landsmannschaft. In der Wikipedia sind Biogramme zu Barthold Johann von Bassewitz, Hartwig Julius Ludwig von Both, Gustav Brückner, Peter Friedrich Rudolf Faull, Adolf Giesebrecht, Johann Heinrich Adolf Goetze, Carl Griewank, Karl Groddeck, Christian Krauel, Carl Peter Johann von Le Fort, Johann Christian Jeremias Martini, Gottlieb Matthias Carl Masch, Carl von Oertzen, Gottlieb Schnelle, Samuel Friedrich Schumann, Heinrich Kurt Stever und Ludwig August Leonhard von Wickede.

    • Franz Stadtmüller: Die Göttinger Vandalia und ihre Tochterverbindungen sowie einigen Bemerkungen zur Entstehung der Vandalenfarben. Einst und Jetzt, Bd. 4 (1959), S. 106 ff.
    • Erich Bauer, Friedrich August Pietzsch: Kritisches zur Anfangsgeschichte der Göttinger und Heidelberger Vandalia. Einst und Jetzt, Bd. 10 (1965), S. 108–124
    • Franz Stadtmüller: Ergänzungen zum Corpsbestand der Vandalia Göttingen. Einst und Jetzt, Bd. 12 (1967), S. 92–95
    • Walter Richter: Die Landsmannschaft der Mecklenburger im 18. Jahrhundert. Einst und Jetzt, Bd. 20 (1975), S. 7–32
    • Herbert Kater: Pfeifenkopf der Vandalia Göttingen 1811–1813. Einst und Jetzt, Bd. 31 (1986), S. 209–211
    • Hans Peter Hümmer, Michaela Neubert: Spurensuche zur Jenaer und Göttinger Vandalia im Stammbuch (1812–1816) Adolph Goetze aus Neustrelitz. Einst und Jetzt, Bd. 60 (2015), S. 67–128
    Verdensia

    Noch lange nach dem Progress spiegelte Verdensia die liberal-konservativen Konflikte des 19. Jahrhunderts wider. Manche Bünder im Coburger Landsmannschafter Convent wurden gleichzeitig oder auf Dauer Corps im KSCV oder im WSC. Manche Corps wurden wieder Landsmannschaften, so auch Teutonia Bonn und Verdensia. Verdensia war von Abiturienten des nachmaligen Domgymnasiums Verden am 8. März 1860 als schwarze Verbindung in Göttingen gegründet worden. Das Wappen referenzierte das frühere Bistum Verden. Der Bund wollte weder Corps noch Progressverbindung sein. Im November 1864 zur Landsmannschaft umgewandelt, fehlte es ihm nach dem Deutsch-Französischen Krieg wie den meisten Korporationen an Nachwuchs; denn viele Abiturienten wurden jetzt Offiziere und die Altherrensöhne waren zu jung. Außerdem waren die 14 Korporationen in der 1868 gegründeten Deutschen Landsmannschaft zerstritten. Da die Corps im Deutschen Kaiserreich den Ton angaben und der Kösener SC-Verband aufblühte, beschlossen die Aktiven der Verdensia am 1. August 1876, aus dem Landsmannschafterverband auszutreten und Corps zu werden. Am 4. Dezember 1876 wurde der Bund in den Göttinger Senioren-Convent recipiert. Die Farben waren schwarz-weiß-schwarz. Aus Nachwuchsmangel musste Verdensia am 17. Oktober 1880 suspendieren.(2) Zu den insgesamt 81 Mitgliedern des Corps gehörten Ludwig v. Buttlar, Wilhelm Denicke, August Egbert v. Derschau, Theodor Kölliker, Joseph König, Carl Jesper Oelrichs, Otto Richter und Karl Tümpel.

    • Herbert Kater: Die Verdensia zu Göttingen (schwarze Verbindung vom 8.3.1860 bis 1864, Landsmannschaft von 1864 bis 1.8.1876, Corps vom 1.8.1876 bis 17.10.1880). Einst und Jetzt, Bd. 13 (1968), S. 99–107.
    • Kurt Spormann: Das Kösener Corps Verdensia. Einst und Jetzt, Bd. 44 (1999), S. 113–115.

    Heidelbergnach oben

    Guestphalia

    Guestphalias Corpshaus

    Von den untergegangenen Corps ist Guestphalia Heidelberg wohl das bedeutendste. Marchia Halle (1838–1866) und Silber-Litthuania (1848–1866) wurden bei weitem nicht so alt. Guestphalia Heidelberg wurde 1816–1818 unter großen politischen Schwierigkeiten von norddeutschen Studenten gestiftet. Vergessen ist, dass 1848 neben Vandalia auch Guestphalia die Gründung des KSCV betrieb. Mit dem Vandalen Friedrich von Klinggräff leitete der Westfale Konstantin v. Sileon den Gründungscongress in Jena. 1892 war Guestphalia das präsidierende Vorortcorps. Zurückgezogen und ganz nach innen gekehrt, stand sie für das „alte“ Preußen. In seinen 116 Jahren gewann das Corps 1156 Mitglieder. Aus Nachwuchsmangel suspendierte es im Wintersemester 1934/35. Die Altherrenvereinigung blieb bestehen und förderte später wie die anderen Heidelberger Corps die SC-Kameradschaft „Axel Schaffeld“. Bei Beginn des Luftkriegs lagerte der AHV das Archiv in Heidelbergs Umland aus. Bittere Tragik ist es, dass es dort verbrannte, während das Corpshaus den Weltkrieg unbeschadet überstand. Durch die Fusion mit Vandalia Heidelberg kam Guestphalia ins Hintertreffen. Der Verein Heidelberger Westfalen e. V. erklärte zum 31. Dezember 1964 seinen Austritt aus dem Verband Alter Corpsstudenten. Der corpsstudentischen Erinnerung ist Guestphalia Heidelberg weitgehend entfallen.

    Helvetiasnach oben


    Vom Ende des Spätmittelalters bis zur Gründung der Universität Zürich (1833) und der Universität Bern (1834) gab es in der deutschsprachigen Schweiz nur die 1460 gegründete Universität Basel. Daher studierten bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts zahlreiche Schweizer an deutschen Universitäten. Mit dem Aufkommen der Corpslandsmannschaften an den deutschen Universitäten schlossen sich die Schweizer Studenten in eigenen Corpslandsmannschaften zusammen. Mit dem Namen Helvetia waren sie Mitglieder der Senioren-Convente in Freiburg, Göttingen, Heidelberg, München, Tübingen, Würzburg und Zürich. Grub Saxoniae Berlin, Marchiae Brünn hat in der Wikipedia eine aufschlussreiche Übersicht geschrieben.(8)

    • Max Richter: Helvetia München 1829–1831. Einst und Jetzt, Bd. 14 (1969), S. 98–109.
    • Max Richter: Helvetia und Alt-Helvetia – Neu-Helvetia und Landsmannschaft Helvetia, alle in München [1848–1854]. Einst und Jetzt, Bd. 16 (1971), S. 145–146.
    • Max Richter: Das Corps Helvetia IV zu Freiburg i. Br., 1839–1844. Einst und Jetzt, Bd. 18 (1973), S. 132–141.
    • Max Richter: Constitution der Helvetia Tübingen (1814). Einst und Jetzt, Sonderheft 1983, S. 181–186
    • Rainer Assmann: Helvetia (II) Tübingen 1821/22. Einst und Jetzt, Bd. 35 (1990), S. 167–169.
    • Samuel Mühlberg: Die Landsmannschaft Helvetia II Würzburg und ihr Stifter Samuel Schindler aus Glarus [1820–1824]. Einst und Jetzt, Bd. 48 (2003), S. 147–152.
    Grün-Helvetia

    Grün-Helvetia

    Die turbulente Geschichte von Grün-Helvetia Zürich im KSCV endete 1885 nach sieben Jahren. Einen Einblick in das Fechtleben der Grün-Helvetia gibt Samuel Mühlberg.(14) Während die bunte Vielzahl von schweizerischen Studenten- und Pennalverbindungen kaum zu übersehen ist, sind Corps in der Schweiz nie heimisch geworden: Alamannia Basel 1869–1878, Rhenania Bern 1870–1880. Die 1850 gegründete Tigurinia war 1870–1873, 1882–1884, 1914–1918 und 1923–1927 suspendiert. Sie rekonstituierte 1928 in Köln und endete 1931. Die 2007 gestiftete Tigurinia II ist heute das einzige Corps in der Schweiz.

    Innsbrucknach oben


    Südtiroler waren bei Rhaetia und Athesia fast gleich stark vertreten. Die meisten gingen zu Gothia, Innsbrucks jüngstem Corps. Sie kamen vor allem aus Meran. Südtiroler wurden auch noch nach 1950 in großer Zahl bei Gothia aktiv, bei Rhaetia und Athesia gar nicht. Athesia ließe sich als Corps der Bozner bezeichnen. Entstanden war sie aus der Tafelrunde „Bozner Vergißmeinnicht“. Couleur und Comment kamen erst mit Studenten nach Innsbruck, die in Deutschland bei einem Corps aktiv gewesen waren. Dazu zählen Graf Anton von Arco-Valley Rhenaniae Freiburg, Ludwig Ritter von Barth Franconiae München und August von Druffel, einer der Stifter der Rhaetia, dessen Vater bei einem Göttinger Corps aktiv gewesen war.

    Chinesia

    Chinesias Chinese

    Benannt nach ihrer Zentralfigur, Ferdinand Ritter von Sammern, betraten die „Sammernianer“ am 1. April 1859 die Innsbrucker Bühne. Als Abspaltung von ihnen entstand das Corps Chinesia. Dass die meisten Sammernianer wohl für die Corpswerdung waren, andere eher burschenschaftliche Neigungen hatten, ließ den Bund zerbrechen. Der Name geht auf die 30 cm große Terrakottafigur eines sitzenden Chinesen zurück. Sie diente der Tafelrunde als auffällige Tischkasse und als Symbol und Namensgeber. Die drei Kneipgesellschaften Teutonia, Duodecia (mit 12 Mitgliedern) und die spätere Chinesia führten anfangs weder Band noch Zirkel. Chinesia nahm später die Farben rot-weiß-rot an. Maßgeblich betrieb sie die Aufstellung der Studentenkompanie, die 1859 an die Italienfront im Zweiten italienischen Unabhängigkeitskrieg zog. Aus dieser Kompanie heraus konstituierte sich im Dezember 1859 die Verbindung Rhaetia. Mit grün-weiß-grün führte sie die Fahnenfarben der Kompanie. Am 2. Februar 1862 erklärte sich Rhaetia zum Corps.

    Chinesias Mitglieder:
    1859: Dr. iur. Joseph Schiestl, Advokat (1836–1904), Anton Desaler, Doktorand der Rechte (1836–1859), Engelbert Kirchebner, Bezirks-Commissär (1834–1898), Dr. iur. Johann Oberhuber, Advokat (1833–1891), Dr. iur. Ignaz Huber, Advokat (1834–1904), Dr. iur. Peter Walde sp. Rhaetiae, Advokat (1839–1914), Dr. iur. Dominikus Müller, Advokat (1832–1885), Dr. iur. Johann Desaler, Advokat (1838–1895), Eduard Parathoner (* 1836), Johann Neurauther, Dr. iur. Theodor Payr, Advokat (1837–1875), Dr. iur. Franz Parathoner, Advokat (1836–1895), Dr. iur. Josef Wedl, Advokat (1835–1901), Josef Heim, Redakteur (1836–1902), Dr. iur. Alois Vill, Advokat (1838–1914), Dr. iur. Joseph Plattner, Advokat (1837–1892), Joseph Schwarz, Pfarrvikar (1837–1911). 1860: Dr. iur. Arthur Graf von Enzenberg sp. Rhaetiae, Sektionschef (1841–1925), Dr. iur. Benedikt von Klebelsberg (1838–1866), Dr. iur. Eduard Freiherr von Anderlan, Sektionschef (1839–1912), Ludolf Purtscher, Privatbeamter (1840–1909), Dr. iur. Georg Fulterer, Advokat (1838–1900), Karl Sonvico, Notar (1841–1928), Dr. phil. Viktor Ebner Ritter von Rofenstein sp. Burschenschaft Hannovera Göttingen, sp. Rhaetiae, Univ.-Professor (1842–1925). 1861: Franz Gerzer, Doktorand der Rechte († 1863). 1862: Dr. iur. Josef Kieser sp. Athesiae, Advokaturs-Kandidat (1841–1879), Paul von Mayrl sp. Athesiae,Handelskammer-Sekretär (1840–1897), Hugo Platter sp. Rhaetiae, Bürgerschullehrer (1841–1908), Dr. iur. Heinrich Kammerlander, Advokat (1840–1883). 1863: Dr. phil. Peter Rella sp. Athesiae, Oberrealschuldirektor (1843–1896), Johann Paul Kehl, Notar (1834–1912), Dr. iur. Karl Gebhardt, Notar (1840–1905), Ferdinand Diechtl, Handelsschuldirektor (1840–1868).

    Marburgnach oben

    Schaumburgia

    Am 21. August 1831 als Guestphalo-Schaumburgia gestiftet, hatte das Corps in seinen sieben Semestern knapp 40 Mitglieder. Die Farben waren blau-weiß-schwarz. Wohl beim 1. Stiftungsfest erfolgte die Umbenennung in Schaumburgia. Wahrscheinlich im Wintersemester 1833/34 wurden die Farben in blau-rot-schwarz geändert. Als der Nachwuchs zurückging und der Druck der Mainzer Zentraluntersuchungskommission zunahm, suspendierte Schaumburgia im Mai 1834. Unter den Mitgliedern waren die Abgeordneten Friedrich Oetker und Eduard Wiegand, Hannovers Ministerpräsident Alexander Frhr. v. Münchhausen und Franz Frhr. v. Dingelstedt, der „sein lebelang Student blieb“.

    • Herbert Kater: Das Corps Schaumburgia zu Marburg 1831–1834. Zur Erinnerung an Franz von Dingelstedt Schaumburgiae, den Dichter des Weserliedes. Einst und Jetzt, Bd. 8 (1963), S. 5–35.

    Pragnach oben

    Die ersten Studentenverbindungen in Prag entstanden nach dem Schillerfest 1859. In ihnen sammelten sich die deutschen Studenten des Prager Polytechnikums und der Karls-Universität. Bei den Tschechen verhasst, standen die Verbindungen nach dem Deutschen Krieg auf verlorenem Posten. Erst nach der Gründung des Deutschen Reiches bildeten Suevia und Frankonia einen technischen Senioren-Convent. Zu Corps umgewandelt, bildeten Austria und Moldavia mit Cheruskia und Albia den akademischen SC. Nach dem Zusammenschluss mit dem technischen SC bestand der Prager Allgemeine SC aus vier akademischen und drei technischen Corps. Er umfasste die Mehrzahl der farbentragenden Studenten an beiden Hochschulen und beanspruchte die Führung der Studentenschaft.(9,10)

    Moldavia

    Moldavia entstand als Verbindung Hilaria am 1. November 1860 aus der egerländischen Tischgesellschaft „Kleeblatt“. Die Farben waren schwarz-weiß-blau. Später in Frankonia umbenannt, verschmolz sie im Sommersemester 1861 mit der akademischen Verbindung Arminia (schwarz-weiß-grün) zur akademischen Verbindung Franko-Arminia. Die Farben waren schwarz-weiß-grün, die Mütze schwarz. Im Sommer 1862 zum Corps Moldavia umgewandelt, hatte sie die Farben schwarz-weiß-grün mit grüner Mütze. Zwei Jahre später suspendierte sie. Moldauer waren Emil Guntermann, Josef Ritter v. Höfler, Johann Kiemann, Josef Tschan und der Böhmische Landtagsabgeordnete Julius Zuleger.(6)

    • Adolf Siegl: Die suspendierten Corps des Prager SC, I. Das Corps Moldavia I (1861). Einst und Jetzt, Bd. 18 (1973), S. 202–203.
    Rugia

    Am 9. November 1859, vier Monate nach dem Prager Schillerfest, ging Rugia als Tischgesellschaft Tabula rotunda aus dem Herzogtum Lichtenhain (gestiftet im Sommer 1859) hervor. Die Umwandlung zur Verbindung Rugia erfolgte am 15. März 1860, zum Corps Rugia im Frühjahr 1862. Die Corpsfarben waren schwarz-weiß-rot. Der Wahlspruch war Stante unione virebo! Rugia stand mit Herulia Wien im Kartell. Nach dem Deutschen Krieg musste Rugia 1867 suspendieren. Mitglieder waren Horaz Krasnopolski, August Pleschner v. Eichstett und Otto Polak.(4)

    • Adolf Siegl: Die suspendierten Corps des Prager SC, II. Das Corps Rugia. Einst und Jetzt, Bd. 19 (1974), S. 222–223.
    Teutonia

    Teutonia wurde am 12. Januar 1861 als Verbindung gestiftet. Die Farben waren schwarz-gold-blau, die Seidenmütze weiß. Der Wahlspruch war amicitia, virtus, scientia! Die Umwandlung zum Corps erfolgte am 18. Mai 1864, die Suspension fünf Jahre später. Zu den Mitgliedern zählen der Pathologe Philipp Knoll, der Historiker Julius Lippert und der Eisenbahnminister Ludwig Wrba.

    • Adolf Siegl: Die suspendierten Corps des Prager SC, III. Das Corps Teutonia (1861–1869). Einst und Jetzt, Bd. 21 (1976), S. 134–136.

    Tharandtnach oben

    Hercynia

    Fusionscorps Hercynia (1932)

    Die suspendierten Tharandter SC-Corps Hubertia und Saxonia fusionierten am 9. Mai 1932 zum Corps Hercynia Tharandt. Als ältestes SC-Corps hatte Silvania erst am 28. April 1932 von der beabsichtigten Fusion erfahren. Das halboffizielle Angebot, ebenfalls in das neu entstandene Corps Hercynia einzutreten, wurde sowohl von der Altherrenschaft als auch von den Aktiven unter der Führung von Eberhard von Breitenbuch kategorisch abgelehnt. Mit den Farben tannengrün-weiß-schwarz auf silberner Perkussion wurde Hercynia am selben Tag in den SC recipiert. Die Alten Herren beider Corps wurden ebenfalls am selben Tag aufgenommen. Nach der Auflösung des HKSCV am 28. September 1935 suspendierte Hercynia am Oktober 1935. Sie betreute seit 1938 mit Silvania und der Tischgesellschaft auf dem Burgkeller (WS 1883/84) die Kameradschaft „Hermann Löns“. Hercynia reaktivierte am 7. November 1949 den Altherrenverein und schloss 1952 ein Freundschaftsverhältnis mit Hubertia München. Am 2. Juni 1956 wurde in Würzburg die Auflösung des Traditionsbundes AHC Hercynia beschlossen. Beim 112. Stiftungsfest der Hubertia München 1956 erhielten 51 Tharandter Hercynen das Hubertenband. Seit 2006 ist Hercynia Tharandt erloschen. Nach den Kösener Corpslisten 1960 hatte das Corps 205 Mitglieder, fast ausnahmslos Forstmeister in staatlichen oder fürstlichen Diensten. Land- oder Oberlandforstmeister waren Anton Bermann, Robert Bernhard, Hermann Binder, Kurt Fritzsche, Fritz v. Götz, Eberhard Kirchner, Johannes Langner, Johannes Naumann und Martin Reinhold. Hochschullehrer waren Robert Bernhard, Arno Groß, Erhart Melzer und Erich Zieger. Wie das befreundete Pépinière-Corps Saxonia an der Königlich Preußischen Forstakademie Hannoversch Münden war Hercynia zu jung und im Mitgliederbestand zu alt, um die Zeit des Nationalsozialismus und die Deutsche Teilung zu überstehen.

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