Alte Landsmannschaften und Corps

Von den vergessenen Bündern des 19. Jahrhunderts waren einige nach Herkunft und Wirken ihrer Mitglieder nicht unbedeutend.(1)

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    Teutonia

    Die Verbindung Teutonia wurde am 9. März 1844 an der Rheinischen Friedrich-Wilhelms-Universität gegründet. Sie erklärte sich am 12. Juli 1848 zur Burschenschaft. Am 7. Mai 1854 führte sie die unbedingte Satisfaktion ein. Sie erklärte sich am 9. Dezember 1867 zur Landsmannschaft und gehörte am 1. März 1868 zu den Begründern des Coburger Landsmannschafter-Convents, den sie am 9. März 1875 verließ. Am 23. April 1875 erfolgte die Erklärung zum Corps. Ein Teil der Alten Herren lehnte diese Umwandlung ab und bildete einen eigenen Altherrenverein. Teutonia renoncierte seit dem 6. Mai 1875 im SC zu Bonn und wurde am 29. Januar 1876 recipiert. Das Corps war 1876–1880, 1885–1888 und 1893–1898 suspendiert. Bei der Rekonstituierung am 28. April 1898 wurden die Aktiven der fortgesetzten Landsmannschaft nach deren Suspendierung übernommen.(7) 1902 stellte Teutonia den Vorsitzenden des oKC. Wegen der Alliierten Rheinlandbesetzung war der aktive Betrieb 1918/19 eingestellt. In der NS-Zeit suspendierte Teutonia am 23. Oktober 1935. Mit Rhenania und Saxonia betreute Teutonia ab 1938 die Kameradschaft Yorck von Wartenburg. Der Altherrenverein wurde im Juli 1949 reaktiviert. Durch einen Freundschaftsvertrag übernahm Rheno-Guestphalia am 22. Dezember 1956 die Tradition und einige Alte Herren der Teutonia. Ein Traditionszimmer mit altem Mobiliar aus dem Bonner Corpshaus ist im Rheinwestfalenhaus eingerichtet. Seit dem 20. Mai 2001 ist Teutonia Bonn erloschen. Bonner Teutonen sind Franz Adams d. J., Gustav Eschborn, Johann und Otto Froitzheim, Karl Gerhardt, Hermann Georg Jacobi, Rudolf Klostermann, Werner Körte, Berthold Litzmann, Heinrich Oidtmann II, Hermann und Walter Pauly, Heinrich Wilhelm Siedentopf, Karl Veltman, Walter Wiederhold, Emil Ziegenmeyer, der DDR-Minister Wilhelm Feldmann und die Abgeordneten Ludwig v. Cuny, Peter Kloeppel und Louis Walther. Teutonias Farben waren dunkelgrün-feuerrot-gold mit goldener Perkussion. Getragen wurde ein dunkelgrüner Stürmer. Der Wahlspruch war Neminem time, neminem laede!

    • AHV der Landsmannschaft Teutonia (Hg.): Teutonia Bonn 1844–1994, 1994.

    Göttingen nach oben

    Bado-Württembergia

    Neben einer zur selben Zeit genannten Helvetia war das Corps Bado-Württembergia in Göttingen die einzige Verbindung von Süddeutschen. Keines der bislang bekannten 27 Mitglieder war nördlich des Mains beheimatet. Im Internet finden sich Lebensbilder von Ferdinand Christoph von Degenfeld-Schonburg, Rudolf v. Hennin, Karl Eugen v. Hügel, Franz und Ludwig v. Jagemann, Adolf und August Marschall v. Bieberstein und Gustav Struve.

    • Horst Bernhardi: Corps Bado-Württembergia zu Göttingen 1824 bis 1829. Einst und Jetzt, Bd. 1 (1956), S. 28–35.

    Vandalenkorb (1813)

    Vandalia

    Vandalia Göttingen (1806–1837) war das Corps der Mecklenburger an der Georg-August-Universität. Die Farben waren zunächst rot-gold ohne Perkussion, dann schmalgold-breitrot-schmalgold mit roter Perkussion. Gollasch Hannoverae erforscht den beträchtlichen Mitgliederbestand dieser Landsmannschaft. In der Wikipedia sind Biogramme zu Carl von Oertzen, Gustav Brückner, Adolf Giesebrecht, Gottlieb Schnelle, Barthold Johann von Bassewitz, Carl Peter Johann von Le Fort, Peter Friedrich Rudolf Faull, Carl Griewank, Johann Heinrich Adolf Goetze, Karl Groddeck, Samuel Friedrich Schumann, Ludwig August Leonhard von Wickede, Gottlieb Matthias Carl Masch, Hartwig Julius Ludwig von Both, Heinrich Kurt Stever und Johann Christian Jeremias Martini.

    • Franz Stadtmüller: Die Göttinger Vandalia und ihre Tochterverbindungen sowie einigen Bemerkungen zur Entstehung der Vandalenfarben. Einst und Jetzt, Bd. 4 (1959), S. 106 ff.
    • Erich Bauer, Friedrich August Pietzsch: Kritisches zur Anfangsgeschichte der Göttinger und Heidelberger Vandalia. Einst und Jetzt, Bd. 10 (1965), S. 108–124
    • Franz Stadtmüller: Ergänzungen zum Corpsbestand der Vandalia Göttingen. Einst und Jetzt, Bd. 12 (1967), S. 92–95
    • Walter Richter: Die Landsmannschaft der Mecklenburger im 18. Jahrhundert. Einst und Jetzt, Bd. 20 (1975), S. 7–32
    • Herbert Kater: Pfeifenkopf der Vandalia Göttingen 1811–1813. Einst und Jetzt, Bd. 31 (1986), S. 209–211
    • Hans Peter Hümmer, Michaela Neubert: Spurensuche zur Jenaer und Göttinger Vandalia im Stammbuch (1812–1816) Adolph Goetze aus Neustrelitz. Einst und Jetzt, Bd. 60 (2015), S. 67–128
    Verdensia

    Noch lange nach dem Progress spiegelte Verdensia die liberal-konservativen Konflikte des 19. Jahrhunderts wider. Manche Bünder im Coburger Landsmannschafter Convent wurden gleichzeitig oder auf Dauer Corps im KSCV oder im WSC. Manche Corps wurden wieder Landsmannschaften, so auch Teutonia Bonn und Verdensia. Verdensia war von Abiturienten des nachmaligen Domgymnasiums Verden am 8. März 1860 als schwarze Verbindung in Göttingen gegründet worden. Das Wappen referenzierte das frühere Bistum Verden. Der Bund wollte weder Corps noch Progressverbindung sein. Im November 1864 zur Landsmannschaft umgewandelt, fehlte es ihm nach dem Deutsch-Französischen Krieg wie den meisten Korporationen an Nachwuchs; denn viele Abiturienten wurden jetzt Offiziere und die Altherrensöhne waren zu jung. Außerdem waren die 14 Korporationen in der 1868 gegründeten Deutschen Landsmannschaft zerstritten. Da die Corps im Deutschen Kaiserreich den Ton angaben und der Kösener SC-Verband aufblühte, beschlossen die Aktiven der Verdensia am 1. August 1876, aus dem Landsmannschafterverband auszutreten und Corps zu werden. Am 4. Dezember 1876 wurde der Bund in den Göttinger Senioren-Convent recipiert. Die Farben waren schwarz-weiß-schwarz. Aus Nachwuchsmangel musste Verdensia am 17. Oktober 1880 suspendieren.(2) Zu den insgesamt 81 Mitgliedern des Corps gehörten Ludwig v. Buttlar, Wilhelm Denicke, August Egbert v. Derschau, Theodor Kölliker, Joseph König, Carl Jesper Oelrichs, Otto Richter und Karl Tümpel.

    • Herbert Kater: Die Verdensia zu Göttingen (schwarze Verbindung vom 8.3.1860 bis 1864, Landsmannschaft von 1864 bis 1.8.1876, Corps vom 1.8.1876 bis 17.10.1880). Einst und Jetzt, Bd. 13 (1968), S. 99–107.
    • Kurt Spormann: Das Kösener Corps Verdensia. Einst und Jetzt, Bd. 44 (1999), S. 113–115.

    Helvetiasnach oben


    Vom Ende des Spätmittelalters bis zur Gründung der Universität Zürich (1833) und der Universität Bern (1834) gab es in der deutschsprachigen Schweiz nur die 1460 gegründete Universität Basel. Daher studierten bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts zahlreiche Schweizer an deutschen Universitäten. Mit dem Aufkommen der Corpslandsmannschaften an den deutschen Universitäten schlossen sich die Schweizer Studenten in eigenen Corpslandsmannschaften zusammen. Mit dem Namen Helvetia waren sie Mitglieder der Senioren-Convente in Freiburg, Göttingen, Heidelberg, München, Tübingen, Würzburg und Zürich. Grub Saxoniae Berlin, Marchiae Brünn hat in der Wikipedia eine aufschlussreiche Übersicht geschrieben.(8)

    • Max Richter: Helvetia München 1829–1831. Einst und Jetzt, Bd. 14 (1969), S. 98–109.
    • Max Richter: Helvetia und Alt-Helvetia – Neu-Helvetia und Landsmannschaft Helvetia, alle in München [1848–1854]. Einst und Jetzt, Bd. 16 (1971), S. 145–146.
    • Max Richter: Das Corps Helvetia IV zu Freiburg i. Br., 1839–1844. Einst und Jetzt, Bd. 18 (1973), S. 132–141.
    • Max Richter: Constitution der Helvetia Tübingen (1814). Einst und Jetzt, Sonderheft 1983, S. 181–186
    • Rainer Assmann: Helvetia (II) Tübingen 1821/22. Einst und Jetzt, Bd. 35 (1990), S. 167–169.
    • Samuel Mühlberg: Die Landsmannschaft Helvetia II Würzburg und ihr Stifter Samuel Schindler aus Glarus [1820–1824]. Einst und Jetzt, Bd. 48 (2003), S. 147–152.

    Innsbrucknach oben

    Chinesia

    Die 33 Mitglieder waren Dr. iur. Joseph Schiestl, Anton Desaler, Engelbert Kirchebner, Dr. iur. Johann Oberhuber, Dr. iur. Ignaz Huber, Dr. iur. Peter Walde Rhaetiae, Dominikus Müller, Dr. iur. Johann Desaler, Eduard Parathoner, Johann Neurauther, Dr. iur. Theodor Payr, Dr. iur. Franz Parathoner, Dr. iur. Josef Wedl, Josef Heim, Dr. iur. Alois Vill, Dr. iur. Joseph Plattner, Joseph Schwarz (1859); Arthur Graf v. Enzenberg Rhaetiae, Dr. iur. Benedikt v. Klebelsberg, Dr. iur. Eduard Frhr. v. Anderlan, Ludolf Purtscher, Dr. iur. Georg Fulterer, Karl Sonvico, Dr. phil. Viktor Ritter v. Ebner Rhaetiae (1860); Franz Gerzer (1861); Dr. iur. Josef Kieser Athesiae, Paul v. Mayrl Athesiae, Hugo Platter Rhaetiae, Dr. iur. Heinrich Kammerlander (1862); Dr. phil. Peter Rella Athesiae, Johann Paul Kehl, Dr. iur. Karl Gebhardt, Ferdinand Diechtl (1863).

    Marburgnach oben

    Schaumburgia

    Am 21. August 1831 als Guestphalo-Schaumburgia gestiftet, hatte das Corps in seinen sieben Semestern knapp 40 Mitglieder. Die Farben waren blau-weiß-schwarz. Wohl beim 1. Stiftungsfest erfolgte die Umbenennung in Schaumburgia. Wahrscheinlich im Wintersemester 1833/34 wurden die Farben in blau-rot-schwarz geändert. Als der Nachwuchs zurückging und der Druck der Mainzer Zentraluntersuchungskommission zunahm, suspendierte Schaumburgia im Mai 1834. Unter den Mitgliedern waren die Abgeordneten Friedrich Oetker und Eduard Wiegand, Hannovers Ministerpräsident Alexander Frhr. v. Münchhausen und Franz Frhr. v. Dingelstedt, der „sein lebelang Student blieb“.

    • Herbert Kater: Das Corps Schaumburgia zu Marburg 1831–1834. Zur Erinnerung an Franz von Dingelstedt Schaumburgiae, den Dichter des Weserliedes. Einst und Jetzt, Bd. 8 (1963), S. 5–35.

    Pragnach oben

    Die ersten Studentenverbindungen in Prag entstanden nach dem Schillerfest 1859. In ihnen sammelten sich die deutschen Studenten des Prager Polytechnikums und der Karls-Universität. Bei den Tschechen verhasst, standen die Verbindungen nach dem Deutschen Krieg auf verlorenem Posten. Erst nach der Gründung des Deutschen Reiches bildeten Suevia und Frankonia einen technischen Senioren-Convent. Zu Corps umgewandelt, bildeten Austria und Moldavia mit Cheruskia und Albia den akademischen SC. Nach dem Zusammenschluss mit dem technischen SC bestand der Prager Allgemeine SC aus vier akademischen und drei technischen Corps. Er umfasste die Mehrzahl der farbentragenden Studenten an beiden Hochschulen und beanspruchte die Führung der Studentenschaft.(9,10)

    Moldavia

    Moldavia entstand als Verbindung Hilaria am 1. November 1860 aus der egerländischen Tischgesellschaft „Kleeblatt“. Die Farben waren schwarz-weiß-blau. Später in Frankonia umbenannt, verschmolz sie im Sommersemester 1861 mit der akademischen Verbindung Arminia (schwarz-weiß-grün) zur akademischen Verbindung Franko-Arminia. Die Farben waren schwarz-weiß-grün, die Mütze schwarz. Im Sommer 1862 zum Corps Moldavia umgewandelt, hatte sie die Farben schwarz-weiß-grün mit grüner Mütze. Zwei Jahre später suspendierte sie. Moldauer waren Emil Guntermann, Josef Ritter v. Höfler, Johann Kiemann, Josef Tschan und der Böhmische Landtagsabgeordnete Julius Zuleger.(6)

    • Adolf Siegl: Die suspendierten Corps des Prager SC, I. Das Corps Moldavia I (1861). Einst und Jetzt, Bd. 18 (1973), S. 202–203.
    Rugia

    Am 9. November 1859, vier Monate nach dem Prager Schillerfest, ging Rugia als Tischgesellschaft Tabula rotunda aus dem Herzogtum Lichtenhain (gestiftet im Sommer 1859) hervor. Die Umwandlung zur Verbindung Rugia erfolgte am 15. März 1860, zum Corps Rugia im Frühjahr 1862. Die Corpsfarben waren schwarz-weiß-rot. Der Wahlspruch war Stante unione virebo! Rugia stand mit Herulia Wien im Kartell. Nach dem Deutschen Krieg musste Rugia 1867 suspendieren. Mitglieder waren Horaz Krasnopolski, August Pleschner v. Eichstett und Otto Polak.(4)

    • Adolf Siegl: Die suspendierten Corps des Prager SC, II. Das Corps Rugia. Einst und Jetzt, Bd. 19 (1974), S. 222–223.
    Teutonia

    Teutonia wurde am 12. Januar 1861 als Verbindung gestiftet. Die Farben waren schwarz-gold-blau, die Seidenmütze weiß. Der Wahlspruch war amicitia, virtus, scientia! Die Umwandlung zum Corps erfolgte am 18. Mai 1864, die Suspension fünf Jahre später. Zu den Mitgliedern zählen der Pathologe Philipp Knoll, der Historiker Julius Lippert und der Eisenbahnminister Ludwig Wrba.

    • Adolf Siegl: Die suspendierten Corps des Prager SC, III. Das Corps Teutonia (1861–1869). Einst und Jetzt, Bd. 21 (1976), S. 134–136.
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