Senioren-Convente

Leobennach oben

Bis 1861 hatte Schemnitz in Oberungarn die einzige Bergakademie der Donaumonarchie. Als Gegenpol zu den Zünften und bedingt durch das gleiche Berufsziel aller Studenten entstand in Schemnitz der Schacht, eine Vereinigung zur Pflege bergakademischer Sitten und Gebräuche. Alle Hörer mussten ihr beitreten. Die 1840 im obersteirischen Vordernberg gegründete Steiermärkisch-ständische berg- und hüttenmännische Lehranstalt wurde 1849 als k.k. Montan-Lehranstalt nach Leoben verlegt und 1861 zur k.k Bergakademie erhoben. Mit Schemnitz gleichgestellt, verzeichnete sie von 1858/59 bis 1862/63 eine Zunahme der Neuimmatrikulationen von 28 auf 77. In Abgrenzung zum „wilden“ Schacht gründeten reichsdeutsche Corpsstudenten 1860 einen Inaktivenstammtisch namens Caffonia. Ihr Wahlspruch Kaffee kipfelique per vitam ac mortem war die Abkehr von der „Virtuosität im Saufen“. Unter diesem zivilisatorischen Druck entstand am 14. April 1861 der „regenerierte Schacht“. Sein Verhältnis zur Caffonia war zwar gut; aber bemerkbar machte sich bald deren arrogante Exklusivität, die sich vor allem gegen die Österreicher richtete. Trotzdem wurde Caffonia von den akademischen Behörden offen unterstützt. Die in ihrem Stolz verletzten Österreicher tendierten wieder mehr zum Schacht, wo bald die alten Missstände einrissen. Zwei Schachter – Siegfried Blau und der Zweitchargierte Victor Stöger – beschlossen um die Jahreswende 1861/62, „aus dem Schacht auszutreten und eine neue Verbindung, constituirt nach dem Muster und mit den Statuten der deutschen Corps, aufzuthuen“. Ein Freiberger Sachsenpreuße und ein Zürcher Rhenane unterstützten die in aller Stille durchgeführten Vorarbeiten. Am 26. Februar 1862 wurde das Corps Tauriscia gestiftet. Benannt war es nach den Tauriskern, den Ureinwohnern der Obersteiermark. Es trug die „politisch gänzlich neutralen Farben Blau-gold-rot“ und führte den Wahlspruch Audaces fortuna iuvat. Der Bund forderte und gab die unbedingte Satisfaktion. Die Konstituierung der Tauriscia gab dem Leobener Verbindungsleben neue Impulse. Der als Mutterverbindung anerkannte Schacht erklärte sich bereits am 18. Mai 1862 zum Corps, machte den Beschluss aber am 13. Juli 1862 rückgängig. Die 7 überstimmten Anhänger des Corpsprinzips traten aus und gründeten noch am selben Tag das Corps Montania (I). Tauriscia und Montania bildeten zu Beginn des Wintersemesters 1862/63 den ersten Leobener S.C., dem die Statuten und der Paukcomment des Freiberger S.C. zugrundegelegt wurden. Commentmäßige Waffen waren Korbschläger und Korbsäbel. Pistolenforderungen waren verpönt. Die Corps begannen sofort Bestimmungmensuren zu vereinbaren und zu schlagen. Im WS 1865/66 kam ein Paukverhältnis zwischen dem S.C. und dem Schacht zustande. Tauriscia bestand nur gut vier Jahre, bis zum Deutschen Krieg. Am 31. Mai 1866 löste sie sich auf. Im Juli folgte die Montania (I) und auch der Schacht musste Ende Mai 1867 suspendieren. Da die Leobener Corps 1910 noch nicht im KSCV waren, steht Tauriscia weder 1910 noch 1930 in den Kösener Corpslisten. Zu ihren 25 Mitgliedern zählen Ludwig Roth von Telegd und Hans Höfer von Heimhalt (11,12). In zwei Bänden sind Constitution, Chronik und CC-Protokolle im Besitz des Corps Schacht.

  • Otto Noll: Das Corps Tauriscia zu Leoben. Einst und Jetzt, Bd. 19 (1974), S. 151–158.
  • Horst-Ulrich Textor: Freiberger Corpsstudenten in Leoben. Einst und Jetzt, Bd. 43 (1998), S. 311–321.

Militärärztlicher Chargierten-Conventnach oben

An der Kaiser-Wilhelms-Akademie entstand im WS 1897/98 der Militärärztliche Chargierten-Convent. Franconia und Suevo-Borussia nahmen am 18. Oktober 1907 die Bezeichnung Corps an. Damit wurde der MCC in Senioren-Convent an der Kaiser-Wilhelm-Akademie umbenannt. Am nächsten Tag stifteten Franconia und Suevo-Borussia das Corps Saxonia. Nach dem unseligen Versailler Vertrag musste die KWA zum 1. Oktober 1919 schließen. Die drei Corps konnten nicht in Berlin bleiben; denn die sechs Corps im (Kösener) SC zu Berlin waren sich genug und lehnten die Aufnahme der drei Militärcorps ab. Der HKSCV wünschte und förderte ihre Verlegung an die neue (gewerkschaftlich bestimmte) Universität Hamburg. Vom AHSC Hamburg maßgeblich unterstützt, konnten die drei Corps „rekonstituieren“ und am 11. Oktober 1919 – acht Tage nach der Suspension in Berlin – den SC zu Hamburg gründen. Saxonia verlegte 1930 an die Forstliche Hochschule in Münden, ging aber am 1. November 1935 (wie alle Verbindungen) in die Suspension. Sie allein betreute eine Kameradschaft, seit 1937 die „Bismarck“. In Hamburg rekonstituierten Suevo-Borussia am 10. Januar 1949 und Franconia am 18. April 1951. An „Hamburg“ und am Zeitgeist gescheitert, mussten auch sie zumachen, Franconia am 24. Oktober 1970 und Suevo-Borussia am 10. Dezember 1976. Suevo-Borussia fusionierte am 1. März 1978 mit Guestphalia Marburg. Sie deponierte ihre Archivalien im Hessischen Staatsarchiv Marburg. Franconia übergab die ihrigen 2019 dem Institut für Hochschulkunde. Das Bild zeigt den Kustos des Kösener Archivs Edlen v. Lapp Nassoviae, Danubiae zwischen Buß Guestphalia et Suevoborussiae und Bellmann Franconiae Hamburg, Brunsvigae Göttingen.

  • Geschichte des Corps Suevo-Borussia Berlin–Hamburg. 1868–1968. Hamburg 1968.
  • Georg Bacmeister: Franconia und Saxonia, in: Georg Bacmeister: Geschichte des Corps Brunsviga, Teil II: 1924–1993. Selbstverlag des Vereins Alter Herren des Corps Brunsviga zu Göttingen, 2002.
  • Paulgerhard Gladen: Der SC an der Kaiser-Wilhelm-Akademie Berlin. Einst und Jetzt 51 (2006), S. 211–217.

Kielnach oben

Holsatia und Slesvicia – benannt nach den beiden Herzogtümern am „Wurmfortsatz des Deutschen Reiches“ – gründeten 1829 den ersten SC an der Christian-Albrechts-Universität. 1813 gestiftet, trat Holsatia dem Kösener SC-Verband 1859 bei. Sowohl das Landescorps als auch die 1838 gestiftete Saxonia verausgabten sich in der Schleswig-Holsteinischen Erhebung. Trotzdem kam der SC zu Kiel 1865 in den KSCV. Unter den Folgen des Deutsch-Französischen Krieges hatte wiederum besonders Saxonia jahrzehntelang zu leiden. 1911 leitete ein Holsteiner den aoKC in Halle, bei dem es um die Neufassung der Kösener Statuten ging. Am 1. April 1942 bestanden an der Christian-Albrechts-Universität fünf Kameradschaften; darunter war keine SC-Kameradschaft. 1947–1950 unterhielt das Kartell der Breslauer Preußen und der Holsteiner das Corps Holsatia-Borussia. Im Dezember 1949 trat Palaiomarchia als drittes Corps zum SC hinzu. Mit dem Collegium Albertinum und mit Masovia stiftete sie am 14. Januar 1950 den CC der Palaiomarchia-Masovia. Im selben Monat gehörten Holsatia und Saxonia zu den 22 Corps der „Interessengemeinschaft“, die die Rekonstitution des KSCV vorbereiteten. Der SC zu Kiel stellte viermal den Vorort: 1912 und 1953 mit Saxonia, 1973 mit Palaiomarchia-Masovia und 2000 mit Holsatia. Nachdem die letzten Königsberger Masuren im Juni 1997 ihr Corps rekonstituiert hatten, wurde Masovia im Februar 2000 als viertes Corps in den SC zu Kiel aufgenommen. Dieser SC-Beschluss bewahrte das letzte Königsberger Corps vor dem Erlöschen.

Straßburger Vorstellungnach oben

Als 1871 das Reichsland Elsaß-Lothringen entstanden war, wurden an der Kaiser-Wilhelms-Universität vier Kösener Corps gestiftet: Rhenania (1872), Palatia (1873), Suevia (1878) und Palaio-Alsatia (1880). Palaio-Alsatia war aus der Landsmannschaft Vosegina hervorgegangen und hatte fast ausschließlich elsässische Mitglieder (2). Nach dem Ersten Weltkrieg waren die Straßburger Studentenverbindungen die einzigen, die suspendieren oder ihren Sitz verlegen mussten. In Frankfurt am Main sollte die neue Johann Wolfgang Goethe-Universität die Tradition der Kaiser-Wilhelms-Universität fortführen. Sie übernahm deren Universitätsbibliothek und zahlreiche Mitarbeiter. Deshalb beabsichtigten die vier Corps ursprünglich, den ganzen SC nach Frankfurt zu verlegen; sie gingen aber zunächst in das benachbarte Freiburg und vereinbarten auf dem oKC 1919 die Straßburger Vorstellung (1). Der SC sollte weiterbestehen, sich aber „für die Dauer des Heimatverlustes“ suspendieren. Um diese Rechts- und Sachlage festzuhalten und nicht in Vergessenheit geraten zu lassen, fasste der letzte Convent des Straßburger SC einstimmig den Beschluss:

    1. Die Angehörigen der CC des Straßburger SC stellen sich gegenseitig vor – Straßburger Vorstellung.
    2. Der Straßburger SC tritt in regelmäßigen Zeiträumen zur „Straßburger Tagung“ zusammen. Der CC der Rhenania wird als ältestes Corps Ort und Zeit des ersten Zusammentritts bestimmen; später wechselt die Leitung nach dem Alter der verschiedenen Corps.
    3. Die einzelnen CC setzen bei ihrer neuen Niederlassung ihrem Namen einheitlich den Zusatz „Straßburg“ hinzu.
    4. Die einzelnen CC tauschen gegenseitig Meldungen aus.

Im Gegensatz zu den Vorstellungsverhältnissen sollte diese Straßburger Vorstellung nicht gebrochen werden können. Die Corps konnten gegeneinander fechten. Nach 1949 bestand kein Paukverhältnis zwischen Suevia und Rhenania. Der Straßburger SC behielt Sitz und Stimme auf dem Kösener Congress. Die vier Corps traten nicht mit ihren neuen SC, sondern gemeinsam als Straßburger SC auf. Alljährlich trafen sie sich zur Straßburger SC-Tagung. 1951 wurde die Straßburger Vorstellung wiederbelebt. Sie tagte zweimal in Baden-Baden und einmal in Bad Homburg. Formell besteht sie noch heute, wenngleich Rhenania und Palaio-Alsatia seit langem suspendiert sind und Palatia den Zusatz Straßburg abgelegt hat.

Rhenania ging an die Philipps-Universität Marburg. Sie hatte beim KSCV Klage erhoben, um die vom Marburger SC verweigerte Anerkennung durchzusetzen. Teutonia Marburg fürchtete um ihre maßgebliche Stellung im SC.

Palatia wollte zunächst ebenfalls nach Marburg gehen, blieb aber in Freiburg. 1952 fusionierte sie mit Guestphalia Jena zu Palatia-Guestphalia, die das in den 1920er Jahren gebaute Pfälzerhaus nutzt.

Suevia verlegte 1919 nach Münster, 1928 von dort nach Marburg. Im Dritten Reich ging sie als SC-Kameradschaft „Eugen Zintgraff“ zu Hansea Köln. Nach dem Frankreichfeldzug lebte sie von 1941 bis 1944 als Kameradschaft „Rudolf von Bennigsen“ im alten Straßburger Corpshaus.

Palaio-Alsatia trat 1919 als Corps Alsatia dem SC zu Freiburg bei. Nach dem Bruch der Kartellverhältnisse mit Teutonia Halle und Makaria München suspendiert, rekonstituierte sie sich 1921 in Frankfurt am Main. Dort gab es seit 1921 das Wissenschaftliche Institut der Elsaß-Lothringer im Reich. In einer „großen Illusion“ kehrte auch Palaio-Alsatia von 1941 bis 1945 als Kameradschaft „Friedrich Barbarossa“ nach Straßburg zurück. Sie ging in der Nachkriegszeit wieder nach Frankfurt und beteiligte sich an der Gründung des Hallenser Nachfolgecorps Saxonia Frankfurt. Sie schied im Wintersemester 1953/54 aus und nahm den aktiven Betrieb wieder auf. Seit 1999 ist sie suspendiert.

  • Bertram Krause: Die Suspension des Straßburger SC im SS 1911. Einst und Jetzt 8 (1963), S. 86–91
  • Ernst Krefft: Die Straßburger Vorstellung. Straßburger Schwabenblatt, Nr. 149, 15. Oktober 1952
  • Paulgerhard Gladen: Straßburg, o Straßburg. Deutsches Burschenleben in einer wunderschönen Stadt. Einst und Jetzt 43 (1998), S. 81–94.

Bonnnach oben

Prof. Koch 10 Hassiae, 3 Rhenaniae Bonn scribit.

Marburgnach oben

Hobrecker Hasso-Nassoviae scribit.

Saarbrückennach oben

Pilger Frankoniae Prag scribit.

Hamburgnach oben

Der Hamburger Senioren-Convent entstand im Oktober 1919, als die suspendierten Pépinière-Corps Suevo-Borussia, Franconia und Saxonia an der neuen Universität Hamburg rekonstituierten und in den KSCV aufgenommen wurden. Saxonia ging 1930 nach Hannoversch Münden. Nachdem Suevo-Borussia und Franconia in der Nachkriegszeit den aktiven Betrieb wieder aufgenommen hatten, kam Thuringia Jena am 6. Juni 1948 in den SC. Albertina wurde am 12. März 1950 von neun Königsberger Balten, fünf Königsberger Hanseaten und acht Littauern gegründet. Zunächst trafen sich die Albertiner im Woermann-Haus und in der Alten Börse. Suevo-Borussia und Albertina gehörten zu den 22 Corps, die sich in der „Interessengemeinschaft“ zusammenschlossen und die Wiederbegründung des KSCV am 19. Mai 1951 vorbereiteten. Mit vielen anderen Verbindungs- und Waffenstudenten saßen Ernst-Georg Pantel und Fritz Milenz im Studentenparlament, das Pantel am 27. Juli 1950 zum AStA-Vorsitzenden wählte. Milenz und der Burschenschafter Hermann Wulf vertraten die schlagenden Verbindungen beim Senat der Universität. Das Adolph-Woermann-Haus in unmittelbarer Universitätsnähe diente dem SC als Corpshaus. Für anderthalb Jahre kam Normannia Berlin am 23. Oktober 1951 in den Hamburger SC. Lusatia Breslau tat sich am 9. Mai 1952 im Woermann-Haus wieder auf. Über 17 Monate führte Albertina 1951/52 die Vorortgeschäfte des KSCV. Pantel leitete zwei Kösener Congresse. Obwohl „Littuania im AHV der Albertina quantitativ weit dominierte“, betrieben Fritz Milenz, Pantel und der Balte Eberhart Muntau als Senior den Anschluss des Corps an den grünen Kreis; denn in Hamburg war der schwarze Kreis mit Thuringia Jena und Normannia Berlin „besetzt“ und Littuania war an das Süddeutsche Kartell gebunden. 1956 kaufte Albertina das Corpshaus in Pöseldorf, für unvorstellbare 33.000 Deutsche Mark. Noch vor der „Wiedervereinigung“ verlegte Thuringia 1990 als erste Korporation Deutschlands zurück an ihren Stammsitz in der untergehenden DDR. Den heutigen SC zu Hamburg bilden Albertina und Concordia Rigensis. Gefochten wird auch mit den beiden Weinheimer Corps, die zum Hannoveraner SC gehören.

  • Thomas Brinkmann: Rekonstituierung der Lusatia Breslau 1952. Lausitzer-Zeitung, Nr. 2, Leipzig 2014.
  • Jochen Küper: Eine Chronik 1950–1975 Corps Albertina. Hamburg 1975.
  • Fritz Milenz: Zu den Anfängen des Corps Albertina in Hamburg. 12-seitiges unveröffentlichtes Manuskript, begonnen im Juni 1993.

Wikipedia / Hamburger SC

Fußnoten

1 Krefft II Sueviae EM, Hanseae Köln und Dr. Obernesser Palaio-Alsatiae vertraten den SC zu Straßburg.
2 „Der Straßburger SC hatte unter den Kösener Corps immer eine besondere Eigenart. Straßburg war die Universität des damaligen Grenzlandes, zur Stützung des Deutschtums befand sich der SC in engster Fühlung mit den Professoren, den hohen Beamten und nicht zuletzt dem Militär. Die guten Straßburger Regimenter brachten mit ihren „Einjährigen“ einen großen Teil des Nachwuchses. Es entstand eine Gemeinsamkeit, die sich auf die gleichen Auffassungen von Pflicht, Ehre und Vaterlandsliebe gründete – einer Gemeinsamkeit, die wiederum zu einem regen gesellschaftlichen Verkehr führte. Natürlich färbte das auch auf das Verhältnis der Corps zueinander, ja auch der einzelnen Angehörigen eines CC zu den Angehörigen eines anderen CC ab. Vielleicht haben diese Eigenart des Straßburger SC und diese Beziehungen der Corps untereinander nicht zuletzt zu dem damaligen letzten Beschluß des alsdann suspendierten SC vom Juni 1919 beigetragen.“ (Ernst Krefft 1952).